Autoparodie, Inspirierendes, Ironismus, Literatur, Lust(-iges) & eROTik

aus „Meinen Einsamkeiten“

Es ist ein schöner Herbstabend im Frühling, wir haben es Winter, und der Schnee, der dieses Jahr nicht fiel, schmilzt noch immer, hört ihm also nicht zu. Es ist, es ist, es ist, außerdem, es ist ein rotes Restaurant, um mich herum, sozusagen. Aber es isr, es ist eine Brasserie. Vielleicht korrigiere ich mich auch in Zukunft. Um mich: die Wände gepolstert mit dem Licht der Straßenlaternen, kein Klischeelicht (deshalb behaglich, sagten Augen einmal). Ich bin mit einem Menschen, ich scheine ihn sehr tollwütig zu lieben, weshalb ich ruhig bin, sein kann, jetzt, wo er hier ist. Er, dieser Mensch, er hat die einzige Nase dieser Welt, die keine Lächerlichkeit ist, ich finde vieles lächerlich, eben aß ich die erste, und es wird sich herausstellen, ich tue es jetzt schon, die einzig schmackhafte Olive. Das fesche Mediteranenbukett, ein wenig bitter, etwas salzig, mit Nusspartien im Hintergrund, steht vor uns. Die Geschichte beginnt schon, mich zu langweilen, aber ich bin stärker als das Lustprinzip, ich bin stärker als das, was ich nicht will, ich schreibe fürder, noch eine Weile, so soll es sein. Die Olive war überdurchschnittlich nur in dem Bukett vor mir, genereller gesprochen indes mäßig, so ist es mit dem meisten. Hingegen, Nase und Olive haben eine ähnliche Farbe, vor allem im Wein, der unter den Kinnladen zweifelt. Meiner ist delikat, nicht so jener, der mir gegenüber auf einem Bein steht. Ähnlich die Nase dessen, unter dem er liegt im Glas, Mensch, meine Grammatik, ich durfte sie zwei Mal probieren, also, die Nase, und ich zähle nur bis jetzt, wer weiß, was noch passiert heute abend, ich greife vor, das geschah schon. Jenes Teelicht vor uns, vor Nasen und Kinnen, ist ein wenig ein Feigling, das haben wir gemein, ich meine uns alle, mit der Ausnahme des Lesers. Der kann keiner sein, und strengte er sich noch so an, denn er existiert nicht für mich. Während die Leserin durchaus als Feigling fungieren kann, sonst hätten die anderen Oliven vielleicht geschmeckt, aber über Geschmack sollte man sich streiten, das ist köstlich, köstlich wie nur eine Nase in der Welt. Vor dem Fenster laufen ulkige Figuren, sagen die Leute draußen, sie sprechen ein wenig anders, und müssen wohl die Kellner meinen, ich fühle mich nicht angesprochen, sitzend. Soeben habe ich mir den Kern der Ausnahmeolive ins Knopfloch gesteckt, das ich lange suchen musste, bevor ich es nicht fand. Der Mensch mir gegenüber hat auch ein Loch, eines, das ihn unterscheidet, meine ich, ich meine, manche glauben das. Dies nur, weil manche Leser, nichtexistierend, kein Detail verpassen wollen. Ich kann solche nicht ausstehen, sie seien unmöglich, hätten nun andere geschrieben, aber nein, Sie sind wunderbar möglich, ohne Wunder, und das ist ein Verbrechen in dieser Welt, Sie, Leser. Die letzte Olive, kommt mir in den apprehensiven Sinn, könnte ein Popel sein in der Ausnahmenase, ein Ausnahmepopel. Ich war schon satt, aber das macht mir wieder Appettit, mir geht es immer so, ich weiß nicht, weshalb, welch kümmerliche Frage, nur Geranien mögen sie winseln, und andere Unterblumen, doch sie stinken, wie der Rotwein vor mir, er ist delikat, das ist ihr Privileg. Um genau zu sein, jeder Rotwein stinkt, aber dafür kann ich auch nichts, wie für so manches, na ja, „na ja“ hat der Mund unter der Ausnahmenase jetzt gesagt, das bezieht sich wohl auf die Geschichte, die ich ihm, oder vielmehr, den Ohren etwas weiter oben erzähle. Ich weiß nicht, ob er unsere Geschichte hier meinte, ich bin da skeptisch, vermutlich eher deren Subtext, oder wie man dergleichen nennt, fragt mich. Das Wachs im Feiglingswindlicht zischt, ich rate, es will uns etwas sagen, es beleuchtet die Nüstern der Olivennase, und meine, jener gegenüber, sie ist ein besonders ästhetischer Knubbel, und beherbergt meine größten Schätze, ich hatte noch keine Gelegenheit, sie zu ergründen. „Na ja“, sagt der Mund erneut, oder ich wiederhole es nur, dergleichen kann man nie wissen, Derrida, der Geschichtsonkel, packt die Gespenster aus, während jener na-ja-Mund wirkt wie eine beschämte Kaffeebohne, „unerhörte Metapher“, sagt er nun, aber das stimmt nicht, die Ohren hören gut, in ihnen stecken wenig wunderliche Hörgeräte, sie hören nämlich gut, denn sie hören gut, das war dreifache Bejahung, jetzt wird’s kompliziert, also fahren wir fort. Die Ohren können nicht gut hören, wegen den Hörgerätschaften. Als werde er geröstet, verzieht sich der Kaffeebohnenmund, als Rost dient das Feiglingsteelicht, ich hasse lange Worte, aber nur, wenn ich ein kaugummikauendes Känguru bin, was andauernd vorkommt. Wie schade. Ferner, ich hasse Hüpfen, der Alliteration wegen, Weitsprung. Es ist aber auch möglich, dass ich alles, was ich liebe, hasse, mindestens ebenso sehr, denn 34 ist eine magische Hängebrücke, zwischen dem Festland 33 und der Insel 35, wie ich einst herausfand, dabei suchte ich gar nicht, das ist ein alter Trick, ich weiß nicht. Die Ausnahmenase rümpft sich, eine athletische Hochleistung, solch Sonderliches sah ich nie, vor allem freitags, die Nase bleibt indes anders, deshalb liebe ich sie, das war ein schwerer Wert mit viel Bouket, wir brauchen eine Karaffe. „Na ja“, spricht die Kaffeebohne, das heißt, ich glaube, ich bin da stehen geblieben, war ja auch Zeit, um eine Pause einzulegen, dabei sitze ich, derselbe Witz, und wieder nicht gemerkt, Sie?, nun, was entscheidend ist, wie ich schon beschrieb, dergleichen nenne ich von nun an ein schlechtes Wortspiel, „mir wird auch schon schlecht, ich glaube, die Oliven waren es, schlecht eben, und die Welt ist es sowieso“, sagt ein Mund, ihr könnt euch aussuchen, welcher, das Gesagte passt zu uns beiden, ich meine, der Sonne und dem Mond, das war etwas hoch gegriffen, schlechtes Wortspiel, „erzähl was Neues“, ergänzt die Kaffeebohne, sie ist gut darin. Der Feigling zittert wie eh und je, was, wer, wo, wann sind denn eh und je, das ist wichtig, ich schweige dazu, sollen sie sich selbst erklären, wieso auch. Ein Deshalbdessert gäbe mir jetzt nämlich den Rest, wie immer, wovon den Rest, Fragen sind langweilig, wie ein Stein im Auge des Gesteinigten, streichen wir das wie, und das wir gleich mit, Streichen ist Konzeptkunst. „Wie viele Schichten hat eine Geschichte?“, frage ich plötzlich, aber nicht mich, das hat mich jetzt aber gar nicht überrascht, vielleicht, weil es eine neue Frage ist; das war, was man arrogant nennt. Die Bohne lispelt übrigens ein bisschen, schön, ein wenig wie Gischt, venusesk, ich schließe darin, in dem Lispeln die Augen und vergesse meine eigenen Lider, was schließlich so ist, als sähe ich wieder, man kann nie entkommen, wieso auch. In der Bohne mahlen die Zähne, nur ihr Gehäuse ist braun, ich meine die Lippen, weiches Gehäuse, entschuldigung, das war erotisch, ich muss kurz aufs Klo, man darf das ja nicht in der Öffentlichkeit machen. Ich freue mich schon auf den Sex in der Kirche, lasst uns den Lendenschurz heben, ich meine den Jesu, dann haben wir eine Orthogonale vom Kreuz weg, einen Kreuzweg, seit Christus. Die Ausnahmenase schnaubt, ich esse die zweite Olive, die schmeckt, sie schoss aus den Nüstern, wie in einem Actionfilm, nur weniger realistisch. Über der Bohne, irgendwo, sitzen die Augen, deren Weiß bei meinem Gegenüber, er ist ein Mensch, das könnte sich als fundamental erweisen, aus Versehen beige ist, eine französische Farbe. Man kennt sie, man erkennt sie, wenn man ein teigiges Baguette aus dem Ofen zieht, und es bricht, in dessen Mitte, da, da, da, da, da, da griemt lüstern das Beige. Ja, ich weiß, langsam nimmt der Mensch, dessen Knie an meinen reiben wie mein Herz an meinen Rippen, nur ohne den Schmerz, Gestalt an, hätte er sie nicht längst, ihr Tölpel, oder wie man das schreibt. Selbiges tut mir freilich auch leid, selbstverständlich, was, weiß ich auch nicht so genau, welch eine Frage, vielleicht mehrere. Ich habe für dergleichen nur Kopfschütteln übrig, meine Nase Verachtung, dann wölbt sie sich bedrohlich, Häretikerin, fast wäre sie mir abgefallen, das war knapp, ich muss in Zukunft schlechter aufpassen, auch hasse ich Oliven, außer Popel. „Sie gleichen Indonesen!“, schreit ein Rassist neben uns, wo kam der denn her?, saß wohl schon ewig dort und tat so, als sei er zivilisiert, welch ein Normalfall, ich sah ihn bis jetzt nicht, so gehe ich seit heute mit ihnen um, denn das hilft in der Tat genauso wenig. Wie in der Theorie! Ich nicke negierend und spucke ihm einen Kern ins Auge, er schreit schon wieder, man kann es welchen wie ihm auch nicht recht machen, so rechts man schon zu sein versucht, dabei versuchte ich nichts, und alles, bis morgen. An dieser Stelle will ich vorschlagen, man setze den Rassisten in meine Metapher mit dem Sehorgan der Gesteinigten, das gibt ein Bild! Aber zurück, zurück von den Zurückgebliebenen. Der Wein ist ausgetrunken, müffelt nur noch ein wenig vor sich her, ich will ihm sein eines Bein absägen, das erinnert mich an Otto Dix, „mir fehlen die Worte“, sage ich, „Fehlen ist ein Euphemismus“. Die Kaffeebohne spielt mit dem Feuer, doch der Feigling geht, er geht aus, er zieht sich aus, aus dem Raum, fort, als Rauch, oder Diskonebel, der Club ist im zweiten Stock, der an unserem Tisch lehnt, wie der erste, wir humpeln beide, das erinnert an den Einen, kennt ihr nicht. Ein Tropfen war doch noch im Glas, ein Widerling, ich habe ihn gerade wieder ausgespuckt, zusammen mit dem Kern, das waren anderthalb Referenzen, den Rest vergaß ich, vorgestern vielleicht. Dieses Grün in dem Beige gegenüber!, es gruselt wie die Sonne durch die Wasseralgen der Karibik, wo ich nie war, also was ich sagen will die ganze Zeit, das alles, das alles ist unbeschreiblich. Schade, jetzt habe ich die Pointe verraten, ich bin aber auch ungeschickt, so lange schon kannte ich sie nicht, und dann platze ich einfach so heraus damit, das ist widerwertig, ja, wie mein Herz, aua, es rächt sich, das meinte ich, nein, Fehlinterpretation, es war der Rassist, wir befinden uns in einer Straßenschlacht, das ging ja schnell, ich habe also gewonnen, aus Glück natürlich, nein, danke, keinen Wein mehr, Betrunkene können nicht laufen. Die Haare neben den Algen sind ganz hervorragend, ich meine hinter den Ohren, und kurz wie ein kleiner Finger beim Schlafwandeln, warum auch nicht, ich weiß nicht, ich bin kein Friseur und schlafe schlecht, wie die durchschnittliche Olive, ganz genau, wir liegen immer daneben, selbst beim Sex, ein schlechtes Wortspiel schon wieder, „schlecht wie die Welt“, und da zittert die Kaffeebohne wie bislang der Feigling, vielleicht war das Teelicht auch wütend, ich würde ihm alles zutrauen, wie niemandem, dafür unterschätze ich jeden genug, außer mich, ich, ich, ich, ich bin Genie, die Knie an meinen malmen, es ist Zeit für die Kirche, warum lassen sie die nachts nicht offen, nun werden wir einbrechen müssen, das gefällt mir, das ist Anstiftung zum Gesetzesbruch. Vielleicht sollten wir auch hier, am Tisch Liebe machen, aber das tue ich ja schon andauernd mit der Hand am Stift auf dem Block. Wir rufen den Kellner, bezahlen nicht, und gehen.

Hörgeräte fallen aus Ohren, Algen brennen im Wasser, Bohnen platzen Schreie heraus in die Hitze, Knie reiben weniger, erschöpftes Zittern, Beige verblasst. Zuletzt atmet nur noch die Ausnahmenase. In der Kirche, nach dem Sex, löst sich Jesus vom Kreuz, um den Lendenschurz zu wechseln, morgen könnte Sonntag sein, da macht das Leiden wieder Spaß. Oder er kommt auf uns zu; umarmt uns; und verlässt das untergehende Kirchenschiff: ein Traum wird wahr. Wir schlafen auf dem Altar, als der Dämmer beginnt.

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