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Wider die Kirche der Wissenschaft

 

I

Wer sind die wenigsten? Die wenigsten sind Frühlinge. Frühchen der Hoffnung mit wenig Chance zu überleben, verfrüht und noch zu spät.

Wer tötet die Frühchen? Der Wissenschaftler.

Der Wissenschaftler zeichnet sich mehr als durch alles Nichts sonst so durch intellektuelle Feigheit aus. Davon ist die gesamte Universität bestimmt. Der wissenschaftlichen Gemeinde ständig rechenschaftspflichtig, ist das oberste Gesetz wissenschaftlichen Arbeitens der Heteronomismus. Die Angst, dem Mandat der Epistemismusjünger zu widersprechen, wird nur von denen gefühlt, die noch nicht ganz aufgegangen sind im reinen Jüngersein. Dessentwegen das Verstecken hinter Kanon, Fußnote, autoritärem Argument, bisheriger „Forschung“, deshalb so selten etwas nur peripher Neues. Dgl. bildet einen Typus aus, den Wissenschaftler, ebenso wie eine Schreibart, das wissenschaftliche Schreiben. Der Typus darf auf gar keinen Fall im „Unrecht“ sein, etwas nicht „wissen“ oder etwas „Falsches“ sagen: sonst warten sofort die widerlichsten menschlichen Verhaltensweisen auf ihn, vor allem eine Häme, ein Spott, der sich gedeckt fühlt von seiner Kirche und großen Sadismus am Exorzieren hat, weshalb er auch stets auf der Suche ist nach seinem Teufel. Der Charakter des Wissenschaftlers lässt sich reduzieren auf die Arroganz der Fremdbestimmtheit, die Arroganz dessen, rundum abgesichert zu sein und deshalb gemeinsam rundum abzusichern. Worum es dabei geht, ist letztlich immer die Rettung des Gottes Wahrheit und die absolute Verteidigung des Gebets zu ihr: der Wissenschaft. Das Kriechen des Geistes vor der wissenschaftlichen Gemeinde verhindert alles Denken im nur halbwegs emphatischen Sinne: Geisteswissenschaft ist Geistesbeschneidung, Geistesgefängnis, Geistesversklavung, Geistesverdummung. Genauso dröge und repetitiv wie die Wissenschaft dem frischen Geist erscheint, ist sie auch. Demgemäß lesen sich wissenschaftliche Texte: sobald die eigene Legislatur (die nichts als Exekutor ist) des Schließens gefährlicher Lücken und der Effektivierung des Betriebs nur aus Versehen qualitativ überschritten wird – was beinahe nie geschieht, weil alle perfekt „integriert“ sind – muss dgl., wenn es nicht mehr zu löschen ist, nunmehr begründet werden damit, dass es die eigentliche Tradition erfülle, dass es das Dogma den Gläubigen tatsächlich viel näher bringe, dass es die gemeinsame Mission besser interpretiere, dass seine Exegese näher sei am Heiligen. Auch jedes Abweichen von den Zensurformen muss sofort intradiegetisch „erklärt“ werden, also abgedichtet gegen Kritik von der Wächter- und Wachtruppe der Wissenschaft, re- und damit wieder präinkludiert. Ohne alles zu verteidigen, was bisher kam, gibt es keine Zugangsmöglichkeit. Wie im Mittelalter ist die einzige rechtfertigbare Rechtfertigung des „Darüber hinaus“, dass dieses „in Wahrheit“ den Kern treffe, ganz nach innen vorstoße, das Zentrum besser darstelle als je, dass es das Bestehende erst zu sich selbst bringe, dass es sich nur gegen die neueste Abkehr von ihm wehre, etc. pp. Kurz, rechtfertigbar ist nur das im Recht zu fertigende, also die Re-Produktion. Wer sich nicht rechtzeitig gleichschaltet, dem wird empfohlen, woanders sein Glück zu suchen; wer weiterhin anders bleibt darin, wird bald nicht mehr darin überleben können, geschweigedenn respektiert oder nur toleriert sein. Das Sieb ist fein genug, die leiseste Abweichung nicht hereinzulassen. Die Methode der Wissenschaft ist der Kreuzzug und die Hexenverbrennung; und selbst WENN diese nie hand-greiflich werden, so bleibt doch das strukturelle Mobbing zum Schutz des Systems übrig, das sie als Inquisitition funktionieren lässt wie jedes Kollektiv, hier jedoch totalitärer, dem Totalen totaler, nämlich total verschrieben.

Wer nut tötet die Frühchen..?

 

II

Wofür die Wissenschaften?

Geisteswissenschaft: Erfindung, Systematisierung, Perfektionierung und Immunisierung von Ideologien, Pionierarbeit für ihre Teminologien und Atome, intellektuelle Grundlegungen der Herrschaft, –

Naturwissenschaft: Technik fürs und vom Kapital, metaphysisches Jura experimentell plausibilisierend für hegemoniale Paradigmen (Essentialismus, Naturalismus, Epistemismus), Beweis der transzendentalen Beweisbarkeit –

Gesellschaftswissenschaft: Positivierung des Status Quo, Perfektionierung der Praktiken, „induktive“ Verfeinerung von Ideologien sowie ihre „Ölung“ für die Apparatur (pragmatische „Korrektur“), „Verifizierung“ der geisteswissenschaftlichen Hirngespinste, –

Die Chefarchitektin des Überbaus, die Wissenschaft, unabdingbar für die Theorie, die die Künste dann in Instinkt, Emotion, Affekt, usw. aufnehmen, also „subjektivieren“, „identifizieren“, ist freilich nur vermeintlich gespalten: die mindestens drei Sparten sind eine, und sie arbeiten alle, einander ergänzend, ausfüllend, abdichtend, ihrer Basis zu, der Herrschaft.

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Nicht reaktionär, sondern gegen Exekution konsekutiv…

Es ist nicht weniger Sinn im Leben, die nutzlosen Schläge gegen die Ohnmacht auch einmal einzustellen. Es ist noch kein Selbstverrat, sich nicht nur der Hoffnungslosigkeit zu verschreiben. Wir wissen: wir wenigsten kämpfen für uns, einander, für die Möglichkeit aller, dafür, mehr sein zu können als Entfremdung und Sprachrohr der Herrschaft. Ja, wir kämpfen ums Dürfen: also gestatten wir auch uns, heute und jetzt, ein wenig Dürfen. Gestatten wir uns, einzuatmen. Gestatten wir uns Räume jenseits des Schlachtfelds. Es nützt nichts, sich zu verausgaben gegen das System (: gegen alle), wenn dabei nichts mehr übrig bleibt für uns selbst. Erlauben wir uns das Tanken, das ruhige Lächeln, erlauben wir uns ein wenig Entschleunigung unserer Kritik. Gerade, um sie nicht fallen lassen zu müssen bald schon. Lassen wir es zu, dass sich unsere krummen Körper auch wieder ausfalten dürfen hin und wieder, im Zurücklehnen manchmal, das heißt mindestens dann, wenn es Not tut. Gestatten auch wir uns das Leben, für das wir einstehen, für das wir fallen. Gestatten wir es uns, aufzustehen und aufzuerstehen von Zeit zu Zeit: wir fielen oft genug an ihren Fronten. Gestatten wir uns den Verlust und das Verlieren, um weiterzumachen mit unserer Sache dann und vielleicht erst dann, wenn wir uns nicht mehr selbst ganz aufgeben müssen für sie. Sammeln wir ein wenig Anschmiegen, betten wir uns zum Schatten, wenn das Licht uns nur noch zerstaubt und durchlöchert. Es ist kein Verabschieden vom Mut, wenn wir uns wieder erobern, was nicht nur verlorener Posten ist, ein gelassenes Erobern. Seien wir behutsam genug unserem Mut gegenüber – sodass er nicht Tollwut werden muss. „Mut zur Tollwut“ als 24/7/365 Ausnahmslosigkeit geht dagegen über jede, selbst über unsere Kapazität, selbst über unsere Potenz 20-50. Wenn wir uns nur noch aufreiben, verweigern wir uns selbst unsere Ideale. Lassen wir unser Fatum Fatum sein, es lässt sich nicht verlassen: doch lässt sich frei machen von ihm, von ihm als einzigem Regenten. Tauschen wir, meinetwegen, Sommerregen mit Winterregentschaft. Grün ist nicht die Farbe der Hoffnung, sondern des Wachstums. Werden wir Gärtner, weitsichtige, kluge, verständige Gärtner für uns selbst und uns. Gehen wir weg von dem, wo nur die Monokultur ihr wüstes Land sät; gönnen wir uns Auszeit; gönnen wir uns. Ohne Urlaub keine Arbeit. Es mag keine ganz unverdorbenen Landstriche geben, aber es gibt erträgliche, und es gibt sogar schöne. Legen wir mehr des Gewichts unserer Schwere auf sie: streiten wir uns ruhig auch einmal darüber. Ganz ohne Leichte keine Utopie mehr: begeben wir uns auch ins zarte Geben der Leichte manchmal. Nicht mehr nur ewig ins Aufgegebene zu investieren, ist keine Flucht; sondern nötig für Zukunft, nämlich die eigene. Und der gerade wichtigere Kampf ist: das weniger Sichtbare zu sehen: nicht nur die offensichtliche offizielle Gewalt, sondern Alternativen, Chancen, das Mickrige hochzupeppeln, es zu praktizieren, und es ins Zentrum zu wagen. Dies hier aber, die Fähigkeit zu schreiben: wenn die Fertigkeit anzapfbar ist – wie rettend!

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