Ethik, Existenzialismus, Politik

Über Freundschaft. Polyphilotesie und Monovenusie

Freundschaft

Was ist Freundschaft? Freundschaft ist Heimat beieinander, miteinander. Freundschaft ist Scherenhändelosigkeit, Freundschaft sind offene Arme, Freundschaft ist Können-Können, Dürfen-Dürfen, Freundschaft ist Bewegungsfreiheit in Hirn und Herz. In der Freundschaft darf ich ich sein, es bedarf keiner Verstellung, keiner Künstlichkeiten, keiner Zensuren, keiner Umwege. Die Freundin verletzt nicht, weil sie nicht verletzen will: Freundinnen wollen einander, sie sind interessiert, sie bejahen sich, sie sagen: ich will, dass du wächst, will, dass du größer wirst. Bei der Freundin darf gefallen werden – keiner muss hier gefallen. Was teilen Freundinnen? Ihr Wohin. Keine Identitäten, sondern die Möglichkeiten zu mehr, zu sich: hier darf die neue Praxis leichter werden, sich einüben, solche, die außerorts unmöglich wäre: hier darf Überwindung überführt werden ins Handeln, aus dem Tun des Denkens heraus ins Gefühl, ins Umsetzen selbst. Weil hier Können-dürfen ist, Dürfen-können, denn Können ist Dürfen, da Dürfen Können ist. Weil hier Jasagen ist zu allem Wohin, das uns näher kommt, zum Ausprobieren, Scheitern, Wagen, zur Konfrontation, zum Verlust, zum Weitermachen: darüber hinaus. Freundschaft ist Praxis zum Selbst. Freundschaft ist Analyse des Systems rings, der Gewalt, der Verunmöglichung, der Feindschaft, und damit ist sie: konsequenter werden, authentischer, trotziger, selbst-bewusster, erfahrender. Freundschaft ist der einzige unmetaphysische Ort der Gewissheit: „ich weiß, dass du darfst bei mir; ich weiß, wie viel du willst, und dass du gut sein willst; ich weiß, dass du stark bist und schön; ich weiß, dass wir mehr können als wir sind, und dass wir also mehr sein können; ich weiß um Möglichkeiten; ich weiß, dass ich dir vertrauen kann; du weißt, dass du mir vertrauen kannst.“ Freundschaft ist die Basis, die selbst Schlachtfeld sein kann, ohne dass sie berührt wird, ohne dass es je um sie ginge im Streit: Freundschaft ist der einzig sichere Boden. Die Epistemologie der Freundschaft ist die einzige, die kein Wille zum Wissen ist, sondern die Wille ist zueinander, zu sich, zum Potenzial, zu mehr, zum Darüberhinaus, zur Utopie. Freundschaft und ihre Epistemologie sind das Fundament, auf dem das Leben seinen wackligen Turm errichten kann, von dem es ins Mehr aufbricht, auf dem das Ich sein Wagnis schichten darf. Mit ihnen ist keine „Philosophie“, keine Liebe zur Wahrheit mehr nötig: mit ihnen als Grund kann sich den Zwangsneurosen und Konditionierungen und Phobien gestellt werden. Mit ihnen als Grund sind alle hoffnungslosen Kämpfe, alle Ent-Täuschungen, alle Absurdismen überlebbar. In Freundschaft lässt sich leben: Freundschaft ermöglicht, so viel richtig zu leben wie irgend möglich im falschen. Doch Freundschaft ist Exil, ohne flüchten zu können. Freundschaft richtet sich durchgängig, durchtränkt gegen das falsche Leben: gegen System (Totalität), Verunmöglichung (Prinzip), Xenophobie (Strategie) und Scherenhandlung (Methode). Freundschaft ist – ohne Taktik zu sein, wesentlich – Anti-Gewalt. Freundschaft ist auch Politik. Nur Elternliebe als Elternliebe ist bedingungslos. (Eltern können außerdem Freundinnen sein.) Die Klimax der Freundschaft aber ist grenzenlose Bejahung, grenzenloses Einander-Wollen. Der Körper wurde vom System zu einer Hauptgrenze deklariert. Freundschaft kennt keine Grenzen. Vielleicht bedeutet Freundschaft sogar, auf Liebe verzichten zu können, oder dahin zu gelangen, oder dahin wollen zu können: miteinander.

Polyphilotesie

Polyamorie, wie wir sie verstehen, ist die Konklusion klimaktischer Freundschaften. Ihr Amor hat nichts am Hut mit Pfeilen und anderen Gewaltmitteln. Er lässt frei, er legt Herzen offen, statt sie abzuschießen, festzupinnen. Selbstredend ist Amor geschlechtslos. Freundschaften wird ihre Klimax systematisch systemisch verhindert im Verunmöglichungskontext der Gesellschaften, wie alles jedem Selbst systematisch systemisch verunmöglicht wird. Weil Freundschaften nichts müssen, müssen sie auch nicht körperlich sein: aber sie dürfen indes alles, wenn sie wollen. Auch ist Körperlichkeit ein politisch kritischer Bereich für jedes Selbst, die Gefahr nämlich von Hierarchie, Spiel, Gesetz (: von Mechanik). Das Arreal des Wollenkönnens auszudehnen, ist andererseits eines der erklärten Ziele des Selbst und des wirlosen Wirs ichloser Iche, also der Freundschaft. Polyamorie hierbei ist wie Reisen: es lässt sich auch zu Hause bleiben, wenn man schon die Welt sah und weiterhin vorhat, sie zu sehen, das heißt wenn das Haus ein Hausboot ist und beweglich und wenn sein Anker lösbar ist und meist nicht im Grund stakt. Die Polyamorie fragt nicht nur „wie“, nicht nur „was“, sondern auch „ob“ – Liebe. „Ob Liebe“ ist eine der wichtigsten politischen Fragen der Moderne (und wir befinden uns in der Moderne, wer anderes behauptet, versteht den Begriff nicht). Das Poly der Polyamorie zerreißt den alten Amor, sie tötet ihn schmerzlos, und der neue ist ungewiss, mehr ungeboren als Gespenst, gänzlich Kind der jeweiligen Beziehung, gänzlich individuell, so individuell wie die zwei Individuen der Beziehung. Dergestalt ist wenigstens das Ideal, und Freundschaften als Dürfen-Dürfen, Können-Können sind eben gerade nicht Idealisierung der Realität, sondern Realisierung der Ideale, womit Amor neu wird, also ein anderer. Freilich muss Polyamorie auch nicht stets Polyamorien sein; sie ist lediglich die Offenheit dazu.

So viel, so vieles scheint außer-ordentlich sicher. Nun zurück in die Normalität der Fraglichkeit. (Die Sicherheit lässt übrigens oft dann nach, wenn einem durch sie paradoxerweise Gefahr drohte. Das ist vielleicht ein Gesetz, also bleiben wir hier unsicher…)
Vielleicht aber ist auch die Fraglichkeit des Folgenden dem Bisherigen äquivalent, jedoch die Sophisterei häufiger, womöglich bloß offensichtlicher, wahrscheinlich lediglich neuer, erfinderischer oder aber schematischer, was nichts einen Abbruch täte, vielleicht vielmehr Anfang wäre. In jedem Falle: gegen Sophisterei ist weniger einzuwenden als gegen Fakten, und es stellt sich nur die Frage, wohin sie uns führt – nicht, ob sie stimmt.

Auf der Straße nun mögen sich Heteros und Homos antreffen lassen, aber keine Polyamorien: in der Tat ist der neue Amor, wenn, so weiblich, denn schließlich ist sie Amicitia oder Philotes, und Polyamorie ist eigentlich, wenn wir so wollen, Polyphilotesie. Dass der Gott der Liebe männlich, während die Göttin der Freundschaft weiblich ist, sollte allen Männerfreundschaften zu denken geben, gleichermaßen allen, die in klassischer Liebe oder ihrer Befreiung einen Angriff auf das System sehen. Polyamorie dagegen garantiert, dass nichts in der Nähe der neuen Liebe ist, das nicht grenzenlos ist: vielleicht ist Liebe intern gerechtigskeitsfanatischer als Freundschaft? Polyphilotesie zumindest lässt uns an dieser Stelle mit oder ohne Hausboot zurückrudern dahin, dass die einzigen Grenzen der Freundschaft die Horizonte hinter den Grenzen der Freundinnen sind, und Freundeshorizonte bewegen sich, denn Freundinnen bewegen sich, denn Freundschaften sind Bewegungsfreiheit, und Selbste sind bewegt.

Monovenusie

Das verheißt: Freundschaft ist Politik, und in Freundschaft ist Politik möglich. Was ist Politik? Politik ist, wenn Bedürfnisse, Interessen, Dringlichkeiten, Prioritäten, Entscheidungen, Positionen sich absprechen, sich Wege schaffend im Lichte dessen, die Bedingungen der Politik zu wahren bzw. zu schaffen: Gewalt zu minimieren, zu beseitigen, zu bekämpfen. Dieses Licht ist der Wille und der Wille zum Wille, also zum Wollenkönnen und Könnenwollen; ohne ihn ist Politik nicht möglich. Wenn wir so wollen: er ist die Rationalität des Lebens oder das Axiom der Politik des Selbst; von ihm leiten sich alle Politiken ab. Politische Entscheidungen werden politisch somit in Freundschaften entschieden. Außerhalb ihrer kämpft man um die Ermöglichung zur Politik: dieser Kampf freilich ist damit politisch im stärksten Sinne; in Freundschaften findet Politik statt, denn nur in ihnen und als sie hat sie gesiegt. Als sie beginnt die Drastik der Sensibilität, d.h. die Kommunikation, aus der Sprachlosigkeit, gen Selbst-Redendes, gen Selbstbe-Stimmung. Weil hier Politik stattfindet, sind die Ergebnisse offen – mit Ausnahme des „Lichtes“, mit Ausnahme der Bedingungen zur Politik, die stets aufrechterhalten werden.
Damit widerspricht Monovenusie der Polyphilotesie nicht, sondern ist die Ernstart einer ihrer Freundschaften. Sich auf die Freundinnen und vor allem auf sich und sich mit ihnen beziehend mag es keine oder eine oder vielerlei gelebte Sexualität(en) geben. So oder so oder so, das Individuum, mit dem keine körperlichen Grenzen gewollt sind, und mit dem es daher keine gibt – mit ihm bewegt man sich auf die neue Liebe zu: diesen Amor gebiert man zu zweit, und jener Amor entscheidet, wie Venus gelebt wird, solange besagter Amor lebt. Im übrigen ist Polyamorie stets Zweisamkeit, eben meist mehrfache Zweisamkeit, und die Möglichkeit zu mehr Lieben als einem. Polyamorie wiederum geschieht in der Polyphilotesie – doch Liebe kommt und geht durchaus, falls nicht institutionalisiert: sie ist eher an den Moment gebunden als ans Individuum, sie ist euphorisches Moment, und nur selten ident mit Beziehungen. Grund und Boden auch hier, auch bzw. gerade der Monovenusie, ist die Freundschaft, sind Freundschaft, Selbste, Wollen, Politik. Selbst-redend kann Venus nur in der Heimat einziehen.

Monovenusie zur Liebe hin

Monovenusie zur Liebe hin ist ein Zusammensein, in dem alle Schwierigkeiten sofort angegangen werden müssen, wo absolute Ehrlichkeit notwendig ist, damit das Zusammen nicht auseinandergeht. Man lernt also, dass Probleme keine sind, sondern dass sie Schwierigkeiten heißen, und dass jede Schwierigkeit augenblicklich Beachtung verdient, und dass alles Hinauszögern nur weiteres Beschweren der Schwierigkeit wäre: man muss das Wegsehen, Ignorieren, Aushalten verlernen – ein auch politisch essentieller Prozess. Weil Sexualität eine Schwierigkeit ist fürs Selbst (da die Gesellschaft so schwer zu verbannen ist aus ihr) und weil Schwierigkeiten einem undurchführbar werden in einem Kontext, in dem von einem weggesehen, in dem man ignoriert wird, weil dergestaltes Aushalten kurzum zusammenbricht im Selbste-Sexuellen, deshalb zusätzlich ist Angehen der Schwierigkeit unumgänglich für Monovenusinnen. Es erübrigt sich von selbst, dass Intuitionismus und Instinktismus somit verbannt sein müssen aus allem gen Liebe, doch schon für jedes Selbst; und damit aus aller Freundschaft. Da die Grenzenlosigkeit der Monovenusinnen weiterhin keine Illusion ist – denn nichts anderes als die Grenzenlosigkeit rechtfertigt im Polyphilotesischen, monovenusisch zu leben – wird auch das Vermissen ein gesundes, nämlich eines des autonomen Brauchens, der Freundschaft selbst, der Freundschaft von Selbsten, was der Beweis gegen die Projektion ist, falls es dergleichen gibt. Gesundes Genießen aber ist entscheidend für die Möglichkeit zur Einsamkeit. Und indem Heimat gefunden wurde für Körper und Hirn und Herz, für Trieb und Wille und Bedürfnis, so wird Einsamkeit überall sonst möglich, so wird ihr die vielleicht meistmögliche Zeit zugeschrieben: schließlich, ohne Selbst kein Zusammensein; Zusammensein nämlich erfordert zwei; und ohne Einsamkeit kein Selbst. (Fortsetzung folgt.)

Freundschaft
Polyphilothesie und Monovenusie

Damit überwindet sich Geist auf Basis der Freundschaft und ihres Fallendürfens im Überall, und seine Umsetzung findet er in den Freundschaften selbst, körperlich aber am tiefsten und wichtigsten in der Monovenusie. Insofern diese wiederum auf Freundschaft fußt, fußt sie auf der einzig unmetaphysischen Gewissheit, und fußt sie als Politik, in Theorie (eigener Kopf) wie in Praxis (Handeln vor- und miteinander). Sie darf dieses Fundament nie vergessen oder verleugnen: denn ohne es fällt sie zurück ins heterosexistische Patriarchat des Monogamismus. Das heißt, sie muss täglich um dieses Fundament kämpfen: die Arbeit im Verunmöglichungskontext des Systems heißt Kampf. Die Schwerkraft zurück in die alten Mechanismen und so unterhalb ins Jenseits der Bedingungen zur Freundschaft nämlich ist der leichteste Köder fürs unbewusste Sein. Dagegen der Wille zum Wille, die Selbstbe-Stimmung – und das Dürfen des Bedürfens, die Heimat namens Freundschaft: diese zwei Exilitäten sind in zwei Selbsten, aus ihnen und für sie. Das Selbst ist Kampf, weil es kämpfen muss, um Selbst zu werden und um es bleiben zu können, also mehr Selbst zu werden. Kurz, das jeweilige Selbst ist es, das gestärkt werden muss, damit Beziehungen keine Faschismen werden – der Kampf ist es. Genau solches Beziehen aufeinander und solcher Kampf nach außen, solche Arbeit nach innen sollen Freundschaft, Polyphilotesie und auch Monovenusie sein. Letztere scheint hier gewiss am gefährlichsten; aber damit ineins auch am hoffnungsvollsten für die hartnäckigste Systemheit in uns, die kein Selbst allein brechen kann, die Kampf des Selbst auch nach innen erfordert: gegen die Mechanisierung des Körpers, gegen die Konditionierung der Lust und des Verlusts, des Versagens, Verstoßenwerdens und der Isolation – gegen die Konditionerung auf Angst, die Konditionierung der Anerkennung. Erst, wenn Monovenusinnen Freundinnen sind und ganz Dürfen und sich vertrauen und keine Furcht vor Fehltritt, Verrat, Tun oder Handeln, schwindet damit die Gesellschaftlichkeit des Monogamismus. Erst, wenn die Einsicht gereift ist, dass Verlustangst außer gegenüber Thanatos nicht berechtigt ist unter Freundinnen, erst dann ist Freundschaft ganz angekommen im neuen Amor, und erst dann wird Venus nicht mehr vom System zerschattet. Dahin zu arbeiten, überhaupt zu arbeiten gegen die Entfremdung, ist Politik im emphatischen Sinn. Und nichts ist Arbeit im Entfremdeten als Arbeit gegen das Entfremdete; nichts ist Arbeit im falschen Leben als die Arbeit hin zum richtigen; nichts ist Arbeit außerhalb der Freundschaft, innerhalb der Verunmöglichung, als Kampf. „Gen Liebe“ zu sein bedeutet insofern nicht zuletzt, wegzukommen vom Ideal klassischer Liebe. „Ich liebe dich“ zwischen Freundinnen kann neben Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit nur heißen: ich sage dir meinen Willen und ein Wohin meiner, und zwar jenes einzige Wohin, das in meinem Testament nichts zu tun hat, weil es nur uns gehört und nicht dem Rest der Menschheit, im Gegensatz zu meinem ganzen Rest, und zu deinem. Freundschaft also ist nicht zuletzt, vielleicht zuerst ein Kampfbegriff, weil sie Gewaltlosigkeit bedeutet in einem System systematischen Gewalttätertums, und weil sie dessen Verunmöglichungskontext bekämpft und die Bedingungen schafft, die jedem Kampf unterliegen – ohne die also jeder Kampf bereits ein Unterliegen wäre: die Bedingungen durchhandelter Überwindung, die Bedingungen des Selbst, die Bedingungen der Heimat, in der Trieb, Wille und Bedürfnis einen gemeinsamen Weg finden können, der so ihrer wird, und sie mit sich vermählt, womit erstmals Selbstbejahung in Selbstliebe übergehen darf. Die völlige Realisierung dieses Ideals und der übrigen freilich steht unter Vorbehalt des Systems: so lange es ist, wird sie nicht sein. So lange das System bleibt, wird auch oder vor allem Selbstliebe eine falsche sein müssen, eine falsche im Falschen. Nicht nur Selbste, selbst Egoisten aller Länder folglich: vereinigt euch dagegen, vereinigt euch gegen die Vereinheitlichung.

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ENTSCHIEDEN, Not-wendiger Schrei

Nathans zweiter Traum

[aus Schöpferblut]

 

Wir sind Sklaven. Sklaven der Gravitation.

Die Stimme des Vaters drang aus dem Dunkel. Sie umgab alles. Nur ein einzelner Lichtkegel unterbrach sie. Er kam aus dem Nichts. Erst im Fernen flog eine Plattform. Unerreichbar, vor ihm, im Spot des Strahls. Sie drehte sich um die eigene Achse. Eine verlassene Bühne? Ihre Ränder glänzten wie Messer.

Wir sind Sklaven. Sklaven der Gravitation.

Manche zerschellen am Boden. Andere lernen fliegen.

Das ist nebensächlich.

Nur eines ist wichtig.

Wer – bestimmt es?

Die Frage hatte keinen Ursprung. Nichts und alles wurden eins. Es gab kein Panorama – nur diese Bühne. Sie drehte sich um die eigen Achse. Als einziges mit Form.

Beantworte die Frage! Selbst die Stimme wirkte amorph – selbst ihr Klang.

Wer, Sohn? Wer hat die Macht, zu Fall zu bringen?

Nathan versuchte ein Schlucken. Wo… ist mein Hals? Er wollte sich abtasten. Doch er fand… keine Arme. Keine Finger. Keinen Torso. Kein Herz. Kein Gesicht.

Er existierte nicht.

Sohn! Das Licht wurde greller. Es verfärbte sich – blieb gleich. Wer sagt, ob du stirbst oder lebst? Was du wirst, wie du bist, was du machst?

Ob du fällst oder fliegst?

Nathan versuchte ein Räuspern. Es misslang. Schmerzhaft blieb die Luft stecken. Er wusste, er musste antworten. Das.. das… das Schicksal?

Der Vater nickte. Irgendwo nickte er. Ganz bestimmt! Nicht falsch, Sohn. Also richtig. Doch zu ungenau.

Sag mir: hast du aufgepasst in der Schule?

Nathan dachte nach – fieberhaft. Was sollte er entgegnen? War es eine Falle? Ob er lügen konnte, ohne aufzufliegen?

Ja. Ich… glaube schon, Vater.

Eine gute Antwort, wurde er gelobt. Die Plattform drehte sich schneller. Sie kam näher. Du weißt nichts – glaubst alles!

Nathan, das schwarze Schaf, wehrte sich. Es sollte zurückkehren, verlangte der Vater. Um auf die Arche zu klettern. Das Verlorene. Als Auslöser der Sintflut. Es wehrte sich gegen seinen Schäfer. Gegen den Sog – der es hinabzog. Hinab in den Bug. In den verlagerten Schlachthof.

Es wollte widersprechen: es glaube nicht alles. Nathan wollte sich wehren. Doch er tat es nicht. Er ließ seinem Hirten, dem Lehrer, dem Vater den Vorzug.

Du hast aufgepasst, Sohn? Immer zugehört, alles gelernt – was du lernen sollst? Nun.

Dann sag es! Was ist die Ursache? Ursache der Gravitation?

Es ist Masse, sagte Nathan: plötzlich. Ohne Zögern. Sicher, mechanisch.

Er rezitierte Wissen. Nichts sonst. Es ist Masse, wiederholte er. Laut. Fest. Unsicherheit verflog. Die Bühne bewegte sich zu ihm – mit jedem Wort schneller und schneller. Es ist die Masse, die bestimmt – wer fällt und wer fliegt, rief er.

Sie kennt nur eines.

Nur eine Richtung.

Sie zieht an – sie neigt. Sie krümmt!

Er wurde größer: die Welt um ihn schrumpfte. Sein Arm konnte die Plattform berühren. Wie im Rausch fuhr er fort: Die Masse!

Ihr – widersetzt sich – niemand!

Es ist stets Masse – die uns bestimmt!

Seine Füße berührte etwas. – Die Plattform. Der Scheinwerfer kroch, warm: auf seinen Körper.

Nathan begann, sich zu drehen. Wie eine Spieluhr. Die Masse!, schrie er.

Sie saugt alles auf.

Die Masse:

Das schwarze Loch!

Es verschlingt jeden.

Selbst Licht kann es beugen.

Es ist wie Gott!

Es schafft, es vernichtet.

Im Schlucken geblendet!

Es ist Masse.

Nichts als die Masse!

Plötzlich lüftete sich der Nebel. Im Lodern, unter Nathan, pferchten sich tausende Menschen: unter ihm. Scheu blickten sie auf. In schwarz-weißen Kleidern, gebeugt, mit Orden behängt. Als Gefangene stierten sie, zueinander. Und platzten vor Neid. Wörtlich. Sie streuten Würmer auf den Boden, die nicht vergingen. Die verkrochen. Sie wärmten sich die Hände: am Feuer der Hölle – indem sie mit den Fingern zeigten. Sie schlugen Kreuze, das Zeitliche segnend.

Überall ragten Spiegel in die Höhe – matt und flüssig. Zuschauer, die außen standen, nickten wütend. Sie rissen ihre Münder auf: voll Lust und Verlangen. Diese groben, blutigen Löcher, ohne Lippen, ohne Zähne. Entzückt blickten sie in die Spiegel. Das Metall küsste sie. Immer wieder begannen sie von Neuem, als Alte.

Marionetten hoben die Arme. Wie um sich zu ergeben. Wehende Fahnen griffen in windstille Himmel. Bis zu den Knöcheln klebten sie im Schlamm. Mancherorts brach seine Oberfläche auf, entließ einen Schwall Pech. Es hielt zusammen, worauf alle standen. Es brachte der Masse das Glück. Es nahm die mit sich, die nicht funktionierten. Nur die Pechmarie blieb oben: ihre Nägel in einen Baum gerammt. Das Gewächs löste sie auf, verwand sie als Dünger; benötigte sie. Es blühte und brachte den Frühling. Saure Äpfel hingen an schmalen Zweigen. Das Blätterdach teilte sich in seiner Krone – um unten zusammenzuwachsen. Aus unwirtlichem Boden entstand eine Herzform.

Der Baum der Erkenntnis blühte. Jener des Lebens. Die Sünden, die Religion auslöschte, auslöschten. Die des Eigenen.

Eine Sonne ertrank im Meer der Masse. Bevor sie zugrunde ging, wurde sie zu einem Menschen. Barthaare wuchsen ihm, rasend, wie ein Teppich über den Mund.

Ein verwahrloster Nietzsche ging unter. Er schrie einen Satz. Noch einen letzten:

Wer aber gehorcht,

der hört sich selber nicht!

Allein ließ man keinen zubeißen, zuschlagen. Es gab keinen Sünder im Kollektiv; es gab keinen Einen. Es gab nichts Böses. Das Viele, Nathan sah es, es wurde ihm bewiesen in seinem Traum, konnte nur gut sein. Es definierte die Welt. Da blieb nichts Fremdes, nichts Anderes – in der Masse. Das Pech selbst sorgte dafür.

Nathan wandte sich ab. Sicher steuerte er die Bühne. Er suchte nach bekannten Gesichtern. Keines fand er. Nur einen Strom von Schemen und Schatten. Von Muskeln und Masken. Sie bewegten sich gemeinsam, wie entstellte Gliedmaßen eines Tieres.

Doch eine Gestalt erkannte er. Nicht ihre Mimik verriet sie. Sondern die Statur. Peter Millers starke Oberarme… Seine männliche Pose. Ein ausgebeultes T-Shirt.

In Nathan zündete der Hass. Er warf seinen Arm in Millers Richtung. Die Menschen unter der Plattform trugen ihn. Dorthin, wohin er wollte. Um in die Knie zu gehen – um wen zu töten. Einen von ihnen – ein plötzlich anderer. Der scharfe Rand der Bühne schnitt ihm den Kopf ab. Wie durch Butter glitten die Messer. Durch Butter, wie Nathan es wollte.

Tief unten tauchte sein Herz auf. Ruckartig drang es ihm in die Brust. Eisige Hände umschlangen es. Nathan zitterte, schauderte. Doch nicht wegen der Maske auf Millers Gesicht. Nicht, weil sie schwand. Nicht wegen dem Anonymen. Nicht, weil es sich entpuppte – als Mensch. Nicht, weil kein Blut aus dem Hals floss.

Nicht, weil er getötet hatte.

Nein.

Es war die Plattform.

Seine Bühne.

Sie sah aus wie ein gewölbtes, rundes Schild.

Ein Wappen prangte darauf.

Ein riesiges Symbol.

Die dreizackige Krone.

Entsetzt sah er auf. Masken schälten sich ab. Unter jeder erschien der Kopf seines Vaters. Zerfleischt, deformiert. Der nach dem Unfall. Er nickte. Das Loch seines Mundes öffnete sich. Mal links, mal rechts von ihm. Es waren alles dieselben.

Durchschnittsgesichter. In der Hälfte zerschnitten.

Mein Sohn.

Verstehst du jetzt? Schau unter dich!

Sein Blick folgte.

Millers Züge verwandelten sich. Bis sein Vater stattdessen da lag. Tot. Mit entglittener Mimik. Abgetrennte Adern füllten sich plötzlich mit Leben. Blut lief vom Schild, vom Symbol wie von einem Dach.

Du!, schrie sein Vater.

Du hast mich getötet.

Mein Sohn!

Er hat mich ermordet!

Die Stimme veränderte sich.

Doch – siehst du mich sterben?

Siehst du mich leiden?

Nur einen Funken Schmerz?

Siehst du mich brechen?

Nein, Sohn! Ich bin unsterblich! Ich bin Teil der Masse.

Teiler der Masse!

Ich BIN, BIN, BIN Masse!

Kein Grund, sich zu fürchten.

Oder bin ich gefährlich?

Ich bin nicht gefährlich!

Ich bin am Leben!

Nathan wurde übel. Alles drehte sich. Von Neuem, das schwarze Schaf wollte sich wehren. Es war nicht weiß, es glaubte nicht alles. Jeden Funken Kraft nahm es in die Stimme, schmetterte sie, in die Menge:

Manche, Vater – manche sind tot, ohne es zu merken!

Der Ruf verpuffte. Sinnlos verhallte seine Anschuldigung. Weit, bevor sie sich breitmachen konnte.

Wer von euch… aß vom Baum des Lebens?, fragte Nathan.

Keiner sah ihn noch an. Sie alle drehten sich um, zum Galgen. Er fuhr hölzern, in Kreuzform, aus brodelndem Boden. Hufeisenförmig umstand man ihn.

In den Stützbalken brannte ein Satz. Der Scheinwerfer huschte hinüber. Er legte sich auf ihn, auf dunkel leuchtende Lettern:

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Regungslos schwebte sein Hesse-Mädchen auf Golgotha. Eingeklemmt zwischen Balken – in den Augen anderer. Gleicher.

Erhoben, kalkig, hing Lia. Der Strick um ihren Hals bewegte sich wie eine Schlange. Ihr Kopf schaute zu ihm: aus weichem Gips. Er erschreckte, erschreckte wirklich noch: ihr Kopf war skalpiert. Sonst märchenhaft, makellos. Das schwarze Haar versank im Boden. Risse durchzogen die Haut. Purpurfarben umwehte ein Kleid ihre Knie. Farbe schrie auf im Uniformierten. Ihre Hand ruhte hinter dem Rücken. Zart. Die zweite hielt ein Buch.

Lachen kam von den Löchern des Vaters.

Du bist jung, Sohn.

Eines Tages wirst du verstehen.

Da wirst du mich – und diese Welt verstehen.

Genau wie dein Mädchen.

Er blickte zu ihr – schüttelte den Kopf. Bedauernd.

Für manche aber… kommt Rettung zu spät.

Nathan wollte ausbrechen. Er wollte von der Bühne springen, zu Lia hechten. Doch Arme hielten ihn fest. Dutzende, Hunderte. All jene, die ihn getragen hatten. Bis eben.

Er musste kämpfen! Es gab nichts Gegebenes. Keine Tatsachen. Doch ein Knebel erstickte ihn, bis hinab in die Lunge. Mühsam presste er Worte hervor. Leise, abgestoßen, zersplittert zwar – doch sie kamen. Gen Himmel:

Wer – von euch… von euch… ist… ohne Sünde… Vater?

Alles kicherte – noch inmitten der Frage. Jede Marionette zuckte die Schultern. Ein Kabinett aus Grinsern schaute auf: zu einem Führer. Zum Vater.

Sünden, mein Sohn…

Sünden lassen sich ertränken! In Stille.

Darum geht es nicht.

Wir steinigen nicht.

Nicht mehr. Nicht wir.

Kollektiv legte man den Kopf in den Nacken. Das Lachen stieß gegen ihn – wie… wie… wie ein Rammbock aus Nichts. Die Risse der Tonfigur wurden tiefer.

Wir steinigen nicht.

Wir kreuzigen sie!

Kreuzigen sie alle, allesamt! – Kreuzigen und hängen sie!, schrie der Vater.

Es gibt immer Ersatz!

Immer Ersatz in der Masse!

Bröckeln erfüllte den Raum. Nathan wusste, von wo es kam. Sofort. Sein Blick folgte einer Gewissheit.

Lia. Lia verlor Schicht um Schicht. Sie schlug eine Seite des Steppenwolfs auf. Die Zeilen passten zu ihrer Stimme.

Aus der Tiefe, aus dem Feuer – aus all dem Unterhalb – drang Gesang. Er begleitete sie, klar, fast himmlisch. Fremde Stimmen trieben zur Flucht. Man reichte sich Wasser, um die Hölle zu löschen. Um den Chor zu ertränken.

Doch er sang weiter. Er trug Lia. Sie erstickte nicht mehr.

Nathan… zwischen uns… hier zwischen uns und in uns ist mehr… geht es tiefer, als… in den Menschen ringsum.

Sanft machte sie eine Geste. Weiß regnete die Hand. Ihr Finger zeigte auf jeden einzelnen. Alle bedrängten sie.

Allen schlug sie den Kopf ab. Bei jedem wuchsen zwei nach.

Es ist hier nicht die Rede von diesem Menschen, den die Schule, die Nationalökonomie, die Statistik kennt… nicht vom Menschen, wie er zu Millionen auf den Straßen herumläuft!

Sie wiederholte die Bewegung. Versuchte es. Doch die Hand brach ab: mitsamt dem Steppenwolf. Sie zerplatzte im fest gebackenen Teer. Das Gesicht verzog sich nicht. Es rezitierte weiter, Schmerz in der Stimme. Sonst unberührt:

Von diesem Menschen… wie er… zu Millionen auf den Straßen herumläuft und… von dem nichts… nichts! Andres zu halten ist als vom Sand… am Meer oder von den Spritzern… einer Brandung!

Sie ballte eine Faust. Ihr Kleid fing Feuer. Die Schlange um den Hals zog sich zusammen. Noch fester. Sein Vater, Pilatus, die Menge schrie: übertönte. Man stampfte mit lahmen Füßen. Man spuckte ihr ins Gesicht.

Es schmeckte – nach Weihwasser.

Und Lia, sein Hesse-Mädchen, eine Tonfigur am Strick – wurde poröser. Rissiger. Glanzloser. Sie vertrug das Heil der Masse nicht.

Bald – irgendwann – schließlich zersprang sie. Vor lauter Druck und Lärm in sich zerrissen. Ihr letzter Blick galt Nathan…

Er schrie. Ihr könnt sie nicht zu Fall bringen! Er schrie sich die Seele aus dem Leib. Doch die Stimme verrauchte. Noch vor seinem Kehlkopf.

Ihr habt sie erhöht –!

Es half nichts.

Schutt und Asche lagen unter dem Galgen. Nur ein Finger stach aus dem Anblick. Lias Hand, die hinter dem Rücken geruht hatte.

Eine kohlige Blüte versteckte sich darin. Eine schwarze Sandrose:

wurde gestern begraben …

in der Hand eine Rose …

Es ertönte ein Dröhnen. Markerschütternd. Das Symbol, die Krone – verwandelte sich: in eine Membran. Bei jedem Schlag vibrierte sie. Visagen schmolzen. Wie Schokolade unter dem Föhn. Helle Schokolade. Zuckrige, süße Schokolade. Die Köpfe seines Vaters wurden lang. Sie bekamen krumme Hörner – weißes, das reinste weiße Fell.

Die Plattform begann die Bewegung. Bald trampelten Schafe, im Kreis, auf zwei Beinen. Sie salutierten und applaudierten und nickten – in lautlosem Takt.

Ihre Prozession begann. Hinter der Plattform her. Am Horizont tat sich ein Abgrund auf. Alle strebten zu ihm.

hinter der Trommel her …

trotten die Kälber …

das Fell für die Trommel …

liefern sie selber …

Die Trümmer des Hesse-Mädchens sprachen mit ihm. Sie verformten sich zu einem Mund. Am Ende ihrer Verwandlung lag Bertolt Brecht vor ihm. Und erstmals merkte Nathan: er träumte.

Er musste hier fort. Es gab eine Welt – vor oder hinter dem Unbewussten. Er hatte sich verstanden. Die Überreste nähme er mit. Lias Sand im Getriebe nähme er mit, den seltenen Sand – den kein Strand der Welt bot.

Dann zerqualmte sein Sichtfeld. Geruchloser Rauch zog auf. Die Gefüge zerrissen. Alles expandierte und brach zusammen und sein Gesicht explodierte vor Schmerz.

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ERSTES MANIFEST EINES PHILOSOPHIAL-UTOPISCHEN KOMMUNISMUS

Alles Folgende sind dezidierte Vorläufigkeiten, doch zentrale. Also sollte ihnen nachgestellt werden, um gewissen Zerrbildern die Gewissheit ihrer Selbst- und Fremdidentität zu nehmen.

I Politischer Absurdismus
„Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Ob diese Inversion nun auf einen Psychonalytiker zurückgeht oder auf eine Psychopathin, auf uns trifft sie zu. In ihr fasst sich zusammen, was zum mehrteiligen Paradox gemacht wurde: der politische Absurdismus. Dass wir glauben, dass alles möglich wäre, v.a. das Beste; aber dies gleichsam im Wissen (die epistemische Situation unverändert) dass der Untergang ist: dass nächsthin Fortsein nur noch werdungslos bleibt – dies Spagat meinen wir, wenn wir vom politischen Absurdismus sprechen. Den Spagat zwischen dem Glauben an alles und dem Wissen ums kommende Nichts.
Unsere Hoffnung ist da minimal, aber nicht nicht: sie ist wir, unseresgleichen, Proto-Utopia. Und wir sind selten, aber zu selten, und daher hoffnungsnah, doch hoffnungsverlassen: „die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Jene Inversion drückt die Renitenz unseres Humors aus und sein Votieren für jenen der zwei Pole, der sich nur negativ entbilden kann. Er ist die herbe Frucht einer Philosophie des Kommunismus, die von den Pestiziden des Wirklichen zerspritzt ist. Zuletzt stirbt also bekanntlich die Hoffnung. Wir aber mussten diagnostizieren: sie ist schon tot. Und es bleibt fraglich, ob sie je geboren wurde. Darin also, in diesem Grab liegt der worst case und frisst Maden: made in Germany, too. Woran also haben wir zu fressen? Daran, dass uns nichts sättigt, was schon gewachsen ist oder gezüchtet wurde.
An der Wirklichkeit.

II Wirklichkeit
Nicht weil es falsch ist (oder Lüge oder Schein oder deriviert oder unqualifiziert oder unschlüssig, unfügig, Unfug), nicht weil es falsch ist, sind wir gegen das Wirkliche. Sondern weil es schlecht ist, d.h. weil es verwirkt, entwirklicht, weil es uns Wirkmächtigkeit stiehlt. Schlecht ist nicht das Unstimmige, sondern das Stimmenraubende. Wirklichkeit wirkt auf uns, und ist gewirkt von uns. Sie bewirkt, verwirkt, verwirklicht, entwirklicht – verleiht die Macht und die Ohnmacht zu wirken. Wer Wirklichkeit Realität nennt, ist damit schon Ideologe. Denn realistisch („pragmatisch“) sein bedeutet, anti-utopisch zu handeln. Realismus ist nicht frei von Utopischem, sondern die Bastion gegen es, gegen emphatische Zukunft herum um das Jetzt des Status Quo, mit dem die Vergangenheit uns angeht. Was kann da Utopie sein bei einer Wirklichkeit voll Realisten?

III Utopie
Utopie ist nicht; sie wird. Und sie wird nie perfekt sein, sondern immer nur am optimalsten. Utopie ist bloß insofern, als sie Motiv ist zur Überwindung: nächstes Ideal, nächster Horizont, nächster Breitengrad. Utopie ist das Beste des Nächstvorstellbaren. Utopie bleibt also nie und immer: als Konzept ist sie stete Devise, als Inhalt ständig im Wandel. Sie ist interessiert an dem hinter den Grenzen: sie ist zwischen hier und allem, was über dort hinaus ist, zwischen jetzt und nach diesem. Kurz, Utopie ist die Öffnung der Zukunft. Utopie ist nie „die Utopie“, sondern immer Utopien, ein heterogenes Sukzessive an Fortschritt (und es gibt Fortschritt, gerade und nur als unentfremdete Kategorie, als Ametaphysikum): sie akzeptiert die Kurzsichtigkeit des Menschen und bereitet erneut den nächsten Horizont. Utopie ist kein Paradies und nicht „das Ideal“, sondern die ständige Problematisierung gerade dieser beiden. Utopie ist keine neu eroberte Stufe, sondern die Kritik dieser, um abzusehen von ihr – um weiterzusehen, weiterzugehen.

Im Verunmöglichungskontext
Wir entschuldigen die nächsten paar Sätze Sprache. Jedoch, wir sind geworfen: in einen Verunmöglichungskontext – und verschränken so unsere als dessen Arme gegenüber dem Fremdem, unsere Arme aus Rahmen geschreinert, die Bedingungen erdrücken für das, was noch nicht ist, und so auch nie wird. Je mehr Utopie wir werden, desto mehr verstößt uns der Aus-Wurf, in dem wir uns vorfinden. Erfindungen aber finden wir vor in der Welt des Möglichen, und in sie gestoßen wird man nur von einem Wurf, der unentworfen ist, un-unterworfen, ent-wegt – zufällig. Dieser Wurf aber, sein Name: Zufall, ist der Verworfene, von allem Geworfenen Verstoßene: er ist Gefahr für die Reinheit des Verunmöglichungskontexts, für den Wurfmonismus.
Derweil, während das Verfahrene der Gefahr zerfahren und zerfahren wird vom Verfahren des Verstoßens, entfährt der Gefahr Utopie: die Erfahrung des Zerfahrenwerdens maximiert die Gegnerschaft zum Wurfmonismus. Sie erst stößt das Verstoßene weiter an gegen die Geworfenheit: sie perpetuiert die Kritik, sie entäußert-erinnert das Verstoßensein hinaus in die Möglichkeit. Utopie mag heißen, Geworfenheiten zu pluralisieren, sie auszuweiten, zu vermischen: sich verwerfend weiterwerfend. Diese Geworfenheitspluralität dehnt sich aus, bis alle anderswohin geworfen fallen. Deren Zu-Fall, der Zufall der Koinzidenzien mit Anderen ent-wirft heraus aus dem eigenen Wurf: um-werfend diesen selbst. Der Zufall fällt ein in die „Geworfenheit nach“, und zersplittert so das Geworfensein in eine weitere Weite.
Denn ja, nur durch Geworfensein, so scheint es, lässt sich sein, seiend sein, entscheidend. Aber das Sein der Utopie ist bereichert von Wurfmannigfaltigkeit und von ihrem Überdeterminiertsein. Der Zufall ist die Koinzidenz, welcher der Wurf verfallen kann. Durch ihn erst werden Offenheit und die Bewegung des Öffnens; die Zufallsinclusio, die nunmehr qua Verworfenwerden zum Willen wird, ist Xenophilie. So ist Utopie das Gegenteil einer Diktatur der Wahrheit: sie kann sich nur bauen in Agnostizismus, und in seine Vorsicht, sein Interesse, seine Freiheitlichkeit.

Utopisten als Maschinenstürmerinnen auf die Räderwerke des Zerfahrens
Wir sind geworfen in einen Verunmöglichungskontext; wir sind immer schon verworfen. Je offensichtlicher uns wird, wie verstoßen wir sind, sobald wir nicht mehr bleiben im Wurfmonismus, desto mehr werden wir Maschinenstürmerinnen auf die Räderwerke des Zerfahrens. Das Problem – seine Namen: Ideologie, Status Quo, Faschismus und deren Gewalten und Spielarten, heute v.a. der Kapitalismus – stellt nur auf die Probe, was selbst nicht Problem ist. Dem Problem sind wir solange Proben für seine Laboratorien der Selbst-Perfektion, als wir ihm nicht zur Gefahr werden – d.h. zur Lösung.

Problemanalyse, Dringlichkeit, Anti
Woher, wie dahin? Erst, wenn uns die Gewalt mit angetan wird? Der Wille dagegen hört sich nicht, bevor er die Ausmaße, die Dimensionen des Problems zu erahnen beginnt. Erst über die Analyse von Problemen aber schafft sich das Bedürfnis dagegen, gegen das Problem, und erst daraus entsteht ein Bewusstsein für Probleme, das tief genug ist, bedürftig zu sein nach Alternativen, und also anders zu werden, anders zu denken, zu fühlen, zu handeln, zu sein – die Dringlichkeit des Dagegen, die Dringlichkeit des ersten und vielleicht einzigen gewollten Willens, des Dagegen, das Darüberhinaus bedarf. In ein erstes Anti gerät man also per Zu-Fall oder per strukturelle Gewalt, die plötzlich auch einen selbst trifft, per Trauma, per Krisis. Das viel verschrieene, verstoßene Anti ist dem Pro immer überlegen, sofern jedes klassische Pro das betrifft, was schon ist. Denn das Anti – es geht aus, fort von Verunmöglichung – schafft Möglichkeit, und es schafft das Bedürfnis nach Differenz: es startet die gerechte Beziehung zwischen Zukunft und Jetzt – es beginnt die Utopie. Utopie ist damit: Anti-Realismus, Anti-Wirklichkeit, Anti-Status-Quo, Anti-„Sein“; Pro-Möglichkeit, Pro-Können, Pro-Dürfen, Pro-„Werden“.
Doch wie Pro sein, wie ohne ein Wort, ohne Wirkung, ohne Anker eine Entität bergen, nur eine Emergenz provozieren? Wie etwas sagen, das es nicht gibt, oder wozu wir keinen Zugang haben? Wie ein neues Gefühl kennenlernen, das noch keiner kennt, ein neues Denken, Wollen, Bedürfen, Wünschen, Handeln …? Im klassischen Sinn ist dergleichen unvorstellbar: und in der Tat, ableiten lässt es sich nicht. Aber die Wechselwirkungen der Einsamkeiten, des Wehrens, der eigenen Stimmen, des eigenen Stils, der Ohnmacht, des Angreifens, des Zweifelns, der Akkumulationen des Unverstandenen, der polemischen Affirmationen, der schäumendendsten „Leugnungen“, des ewigen Dennoch: sie alle, aus dem pubertären Mischmasch von Zu-Fall und Verfall geboren, das Alte hierin zerfallend, hieraus entfallend, sind Potenziale, Mixturen, Unfälle, Bausteine: wenn zwei Dinge, die sich noch nicht begegneten, sich treffen, entsteht etwas Neues (Kontakt, Symbiose, Diebstahl, Vermischung, Aufbruch, Ästhetik – und anders weiter). Wir wollen dergleichen nicht Dialektik nennen, weil uns der Begriff faschistisch anmutet dank seines Populisten, dem rechtshegelianischsten der Rechtshegelianer: dank Hegel selbst. Vielmehr, wenn Zufall einfällt und im Verfallen Gefallen entfällt, wenn Verstoßenheit und Verworfenheit uns anfallen, dann implodiert daraus der Unfall des Neuen, des Wehrens, des Willens.

Utopie: Wirklichkeit aus Möglichkeiten
Und warum das Neue? Warum weiter, warum fort, warum Utopie? Für ein bereichertes, erfülltes, bejahtes Sein für jeden: gegen Entwirklichung, Verwirkung, Wirkohnmacht. Für Selbsterwirklichung. Für Erwirklichung. Für eine Wirklichkeit aus Möglichkeiten. Der Common-Sense-Glaube, dass Revolution gewalttätig sei oder aber unmöglich – beweist nur den Terror, die Gewalt des Unumstößlichen, des Herrschenden: des common sense selbst also; des Glaubens. Kurz, er beweist die Not-Wendigkeit der Revolution.
Utopie ist, was wir nie erreichen, wohin wir aber streben, um unser Erreichen zu bereichern. Utopie ist nicht, sie wird; wir werden sie; sie lässt uns weiter vor in uns, aus uns, vor uns, über uns hinaus. Das Mittel zu ihrem Zweck aber ist Philosophie.

IV Philosophie
Philosophie ist so wenig oder so sehr Elfenbeinturm wie einkaufen gehen, Hitlergruß zeigen, Fußball schauen. Philosophie ist nicht bodenlos, nicht realitätsfern, nicht unpragmatisch: sie ist Praxis, der Realität am nähesten, Praxis, die Boden um Boden exkaviert.
Philosophie ist Realität aber nicht nur nahe – sie durchforstet sie: ihre Konditionen, Organe, Strukturen, Mechanismen. Sie zeigt, demonstriert, verweist, dass alles Elfenbeinturm ist, weil alles eigentlich Bodenlosigkeit, und das meiste dessen realitätsidentisch ist.
Philosophie ist Subversion. Sie zeigt Alternativen auf, indem sie die Grenzen (weiter weg) verschiebt. Mit ihrem Angriff auf Notwendigkeit, Sachzwang, Gesetz; Faktum, Wahrheit, Realität; Sicherheit, Gewissheit, Zweifellosigkeit – eröffnet sie Möglichkeiten. Philosophie ist die Subversion, die eröffnet. Vor der Philosophie lässt sich nicht beginnen außer wiederholend, kopierend, reproduzierend. Nur mit ihr und durch sie eröffnet sich neues Land für Herz, Hirn und Hand: Philosophie ist die Bedingung der politischen Handlung; und sie ist schon die politischste Tat. Die meiste Akademie ist anti-philosophisch. Denn Philosophie ist Anti-Akademie.
Philosophie ist Nicht-Wissen, Philosophie glaubt nicht ans Wissen, und bringt zur Erfahrung die Gewalt des Wissens: intelektuell, und indem sie die Philosophin verändert. Doch ist sie nicht nur Fragen – das wäre das Wundern des Kindes, der Infantilismus der Antiken –, eher schon „nur Fragen“, aber am meisten Hinter-fragen. Radikalstmögliches Hinterfragen; so die Rahmen des Möglichen dehnend; d.h. immer radikalstmöglicher Hinterfragen. Kurzum, Hinterfragen der Realität – nicht nur der „Herangehens“weisen zu ihr, Interpretationen von ihr, Konzeptionen ihrer – sondern Hinterfragen ihrer selbst.
Philosophie ist so Utopiegeneratorin. Die Liebe zur Weisheit hinterfragte, als sie sich selbst erkennen wollte, und fand weder in sich noch dahinter etwas auf; noch wen. Seither wurde sie Denken: Reise ohne Ziel. Doch ziellos Reisende haben den stärksten Willen. Sie gehen weiter weil sie glauben, nie anzukommen: des Weiters wegen, d.h. des Besten wegen, als Bessern. Philosophie ist Entfernen – von common sense, Plausibilität, Evidenz. Sie ist den Grenzziehungen, Einkerkerungen, Umfriedungen des Möglichen entgegen – sie sprengend, sie hinter sich lassend als Trümmer. Philosophie zeugt Radikalität: sie zeugt in die Wurzeln hinein die Nager der Skepsis.
Philosophie ist Bewegung mehr als Teleologie, Bewegung vor allem weg, wegloses „weg!“, anti-eskapistische Flucht, Wille zum Können, Bedürfnis nach Dürfen. Diese Bewegung aber heißt Denken, und Sophia liebt es, zu denken, die Liebe zu ihr ist es, zu denken, und Denken ist freiestmögliche Bewegung, also: Ermöglichung. An Sophias Hand erkunden wir: die Welt der Möglichkeiten – Potenzia.

V Renitenter Humor
Es gibt keine Philosophie ohne Humor (als Überlebensinstinkt), und keinen renitenten Humor ohne Absurdismus (als Konsequenz). Der renitente nun, der so-nicht-Humor besteht aus dreien: Ironie, Sarkasmus, Zynismus. (Nicht Zynik, sondern Zynismus, weil sie eine „Ideo-logie“, ein Bildwort ist und keine Handlung – vielmehr ein Tun.) Dieser renitente Humor lacht nicht nur im Hoffnungslosen, nicht nur hoffnungslos. Er ist auch anti-synthetische Kontemplation, Position, Tätigkeit. Es geht in ihm nicht nur um Verneinung, sondern um die Potenz, „ja“ zu sagen trotz allem, „ja“ zu Momenten zu sagen, ohne dies Ja je allem, sich, der Umwelt zuzugestehen: nur den Moment bejahend, und keinen seiner Kontexte, nur das Ergebnis, und keine seiner Ursachen, nur das Lachen, und nicht dessen Bedingungen. Ohne die Negativität des renitenten Humors wäre kein Bejahen möglich jenseits Potenzias. Aber wir müssen auch Schreien und Schreiten für Utopia: viele große Schreie stoßen, kleine Schritte setzen. Wir müssen auch Ja-Sagen können, und Kraft schöpfen. Ohne gespaltenes Lachen kein Luftholen. Ohne Luft kein Schreiten – kein Schreien. Luft holen jedoch lässt sich nicht erst in Potenzia – nur von hier schon. Utopia steht zwischen Potenzia und Hier. Wir müssen auch schreiten.

VI Kommunismus
Kommunismus kann nicht wissenschaftlich sein, denn Wissenschaft ist nur möglich in Ständegesellschaften, Feudalismen, Kapitalismen – nur mit dem Bürger. Wissenschaft fördert nur zweierlei: den Trieb zum Wissen (der Realismus ist, also Anti-Utopia, also konservativ bis reaktionär); und das Wohlwollen gegenüber den Autoritäten (welche per definitionem konservativ sein müssen, um Autoritäten zu bleiben). Wissen aber ist Herrschaft. Doch Kommunismus ist Herrschaftsfreiheit, und Herrschaftsfreiheit bedeutet, dass Freiheit herrscht statt Wissen. Wissen setzt fest, Freiheit löst auf: Wissen ist Sein, Notwendigkeit, Manifestation, Definitives; Freiheit ist Undefiniert-Indefinites, Gelöstes, Möglichkeit, Werden.
Kommunismus ist keine „hegelsche“ Fortsetzung des Kapitalismus. Er ist nicht und war nie in letzteren schon eingeschrieben. Er ist kein ökonomisch-technisches Resultat und keine Fatalität. Vielmehr, er stammt aus dem philosophisch-utopischen Denken, das diskriminiert wird im „Kommunistischen Manifest“.
Kommunismus ist keine Doxa und kein Dogma. Das Proletariat muss, will es radikal (verstanden) sein, Utopia werden, ein Verein Freier, das heißt Freiheitlicher, sich Befreiender. Kommunismus ist Anti-Totalität und nicht-absolut, und beides entschiedenermaßen, entschieden, also entscheidungsgemäß. Er ist der Beginn, nicht das Ende von Politik, der Beginn der selbstvollen Arbeit an sich, am anderen, an der Gesellschaft und an allem sonstigen. Kommunismus ist der Beginn. Der Beginn des gleichberechtigten, gleichwertigen, gemeinsamen Kampfes gegen Dominanz, Suprematie, Hegemonie. Kommunismus ist, wo Politik beginnt, weil er als erster, durch sein ökonomisches Privileg aller, fähig ist, Macht zu problematisieren. Kommunismus besteht aus Individuen, deren Basis das gemeinsame Wohl ist. Theorie und Praxis, Form und Inhalt, Idealismus und Materialismus, Denken und Handeln, all jene Dualismen der Metaphysik, von Aristoteles über Descartes bis zu Kant, die Aufklärung und ihr Dunkel inklusive, lösen sich auf in seiner Öffnung der Charaktere, die keine Identitäten mehr sind, sondern Selbste.
Gegen den Faschismus, das Grundproblem, die Grundkonstitution, lässt sich nur sein, indem gegen ihn geworden wird. Kommunismus ist Anti-Faschismus. Im Kommunismus lässt sich erstmals kommunizieren (qua hermeneutisches Präkariat). Was ist kommunal am Kommunismus, was allgemein? Es ist das Brauchen, das uns vereint. Und er, Kommunismus, ist das Brauchen, das uns vereint. Wir brauchen alle zu essen, zu trinken, ein Dach und eine Heimat. Ohne sie gibt es keine Politik. Kommunal, gemeinschaftlich sind die Früchte unserer Arbeit. Kommunismus damit ist der Raum, in dem die Politik beginnt. Erstmals ist sie nicht mehr entfremdet von sich selbst und an die Macht überantwortet; erstmals behandelt sie Interessen, das Sein dazwischen, zwischeneinander, Werden. Denn erstmals sind die Gründe des Bedürfens angefüllt mit Erfüllung – und es gibt keine Kartelle, Parteien, Kirchen, Staaten, Nationen, Klassen, Schichten, Milieus mehr. Jeder ist endlich dazu befähigt, seine Fähigkeiten auszubilden, sein Wollen zu bestimmen, Heimat zu beheimaten. Kommunismus ist, wo Politik beginnt, und wo Politik beginnt, da schafft dessen Willen das Dürfen, und jenes das Können.
Alles wäre also möglich. Nur: es gibt kaum einen einzigen Kommunisten auf dieser Welt: bislang. Wie damit umgehen? Der renitente Humor des politischen Absurdismus hält uns in uns am Leben –  neben Kommunistinnen und unserer Arbeit außer uns –, und dieser Humor ist der einzige, der keine Konterrevolution startet.
Verworfen, verstoßen, verwirkt und ent-wirklicht stehen wir mit ihm vor den unabsehbar hohen Mauern. Doch sind wir Gespenster. Wir können durch sie hindurch: Philo-Sophia ist Ermöglichung; und Kommunismus wird Erwirklichung. Die Lage also ist nicht gänzlich hoffnungslos.
Wenn auch unendlich ernst. Und bitter ironisch.

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